So, Zeit für ein kleines Update.
Vier Wochen sitz ich nun schon in dieser Sauna. Und das Thermometer wird in den nächsten Wochen noch ordentlich steigen. Was ist so passiert bislang?
Nun, der Schweiss läuft in gewohnten Bahnen, das Essen besteht zu 90 Prozent aus Reis und die Smog-Käseglocke wabert weiter über der Stadt.
Ob ich Bangcock mag, kann ich nach wie vor nicht sagen. Dazu muss ich hier wohl noch länger bleiben. Allerdings werden mir die Leute immer sympathischer. Denn ich habe feststellen dürfen, dass es zwei Kategorien von Thailändern gibt: Die, die Dir etwas verkaufen wollen und die anderen. Ich mag die anderen. Die sind allerdings schwer zu finden, denn als Farang bist Du eigentlich nur für die erste Kategorie interessant:
Man hat das Hotel noch gar nicht richtig verlassen, da ist man schon mindestens zweimal gefragt worden ob man ein Taxi möchte. Auf dem Weg zur Bushaltestelle (ca. 300m wohlgemerkt!) läuft man dann an 3 Massage-Salons vorrüber (Masaaaaasch Sir? Masaaaaaaaaaaaaaaaaaasch) und passiert nebenbei so um die 4 Tuk Tuk-Fahrer (Hello Sir, where you goin? Tuk Tuk? Only 20 Baht? I make special offer! Tuk Tuk? Where you goin? Where you goin? Tuk Tuk?). Hat man das erstmal mit stoischem Geradeaus-Blick und schnellem Gang bewältigt, trifft man an auf ein paar indische Schneider, die vor ihren Geschäften nach Kundschaft Ausschau halten (Hello Sir, you want Suit, special offer, want to come inside, I make good offer, jacket, shirt, good price sir, only for you!). Auch hier empfiehlt es sich ohne große Reaktion einfach weiterzulaufen. Zu guter Letzt muss man noch den Strassenverkäufern mit ihren gefälschten T-Shirts entgehen (was in meiner Strasse relativ einfach ist, denn die sind hier alle taubstumm und deswegen nur halb so aufdringlich…), dem einen oder anderen Restaurantbesitzer mit einem Kopfschütteln ein „Nein“ andeuten, dem einbeinigen Bettler und dem blinden Sänger schnell ein bisschen Kleingeld in die Becher schmeissen und schon sitzt man an der Bushaltestelle zwischen lauter Thailändern die einem zum ersten Mal an diesem Tag NICHTS, ABER AUCH WIRKLICH GAR NICHTS verkaufen wollen…
Ja, es gibt sie, die Asiaten, die Dir nix verkaufen wollen. Nur unter normalen Umständen kommt man mit Vertretern dieser Kategorie kaum in Kontakt. Hier half mir König Fussball. Mittlerweile spiele ich in zwei Mannschaften (einmal Futsal, einmal auf Rasen) zwei- bis dreimal die Woche und hab dadurch endlich nette Leute kennen gelernt, die mir nichts verkaufen wollen. Viele davon wohnen in meinem Viertel und so passiert es mir ab und zu sogar, dass ich auf der Strasse nicht wegen einem Verkaufsgespräch angelabert werde sondern weil man mich kennt und wissen möchte wie es mir geht. Somit fühle ich mich hier immer wohler.
Ansonsten ist nicht allzuviel passiert. Man sucht nach Arbeit, hat das eine oder andere möglicherweise in Aussicht, liest Bücher, isst und schläft viel. Alles ohne Zigaretten, bin sehr stolz auf mich.
Leires Eltern sind seit nunmehr 9 Tagen in der Stadt und nachdem Frau Lopez im Gegensatz zu mir arbeiten muss, habe ich ein wenig den Fremdenführer gespielt und bin mit meinen Schwiegereltern in spe in fast allen 200 Tempeln der Stadt gewesen. Ich habe noch nie so viele glatzköpfige-dicke-Männer-Statuen gesehen. Auch mein Bedarf an Drachenfiguren und Räucherstäbchen ist vorerstmal gedeckt. Trotzdem war es wirklich schön mit den beiden und mein Spanisch habe ich dadurch auch deutlich verbessert (mit Leire spreche ich ja mehr Spengleutsch).
Auf jeden Fall kann ich jetzt jedem, der mich eventuell besuchen möchte, die Stadt zeigen. Ist ja schon mal was, nachdem das mit dem Job noch auf sich warten lässt
So, Fotos kommen irgendwann mal, ich muss vorher aber noch rausfinden wie man die skalieren kann.
Hoffe euch gehts allen gut soweit.
Bis denn.