Heute mal ein bisschen Tourismus:
Wir wohnen ziemlich genau im Zentrum Bangkoks, umgeben von Hochhäusern, Teer und Beton. In den Schluchten zwischen den Türmen kriechen langsam endlose Autoschlangen dahin, links und rechts flankiert von Myriaden kleiner Asiaten. Die Luft riecht wie in einer Indoor-Kartbahn, die Temperaturen liegen bei knapp 30 Grad. Während der Woche leben wir ausschließlich in diesem „concrete jungle“, bevölkert von Strassenkötern, Kakerlaken, Mücken, Fliegen und Menschen.
Leire scheint damit oftmals besser klarzukommen als ich. Klar, die Gute ist ja auch nicht in Hagelstadt aufgewachsen und hat gerade mal 6 Monate in Regensburg verbracht. Ich hingegen bin in Hailtown aufgewachsen und habe knapp 7 Jahre in Regensburg, der schönsten Stadt der Welt, verbracht – sprich: ich bin vom Land.
So, und wenn ich in Regensburg frische Luft schnappen wollte, dann bin ich aufs Rad gesprungen und nach spätestens 20min war ich im Wald an der Naabspitze oder auf den Winzerer Höhen: die Luft frisch, die Umgebung ruhig, der Geruch angenehem und einerselbst komplett entspannt.
Im letzten Jahr, während ich an meiner Magisterarbeit arbeitete, war das eigentlich tägliche Routine. So ab vier Uhr gings los und irgendwann kurz vor 6 stand man dann in der Abenddämmerung verschwitzt aber glücklich auf der Zugbrücke an der Naabspitze und freute sich über einen gelungenen Tag.
In Bangkok ist das natürlich so nicht möglich, was sicher auch daran liegt, dass es hier keine Naabspitze gibt, keine Fahrradfahrer (ok, ausser der Handvoll Selbstmörder die es tatsächlich wagen sich bei den Verkehrs- UND Luftverhältnissen auf den Bock zu schwingen) und keinen Wald.
Dachte ich zumindest. Doch vergangenen Donnerstag, am so genannten „Buddha-Day“ (ein religiöser Feiertag) überraschte mich Leire dann mit dem, was mir in den letzten Wochen so fehlte, nämlich Fahrradfahren in der Natur
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Tatsächlich ist das auch in Bangkok möglich. Südlich des Stadtzentrums bietet ein Holländer Radtouren abseits des täglichen Lärms und Smogs an. Die Rundfahrt mit dem klangvollen Namen „Die Farben von Bangkok“ beginnt nach einer kleinen Aufwärmphase in den Slums der Stadt.
Bei dem Wort Slums denkt der Europäer wohl eher an Wellblechbaracken bevölkert mit klebstoffschnüffelnden Zombies als an das, was uns als „Slums“ vorgestellt wurde. In den kleinen verwinkelten Gassen ist es erstaunlich sauber. Überall riecht es nach frisch-gewaschener Wäsche und Essen, die Leute sind freundlich, sitzen gemütlich in oder vor ihren Hütten und sehen alles andere als zerlumpt aus. Kinder spielen , man hört leise Radio und die Planen über den Gassen spenden angenehmen Schatten. Die Leute, die hier wohnen kommen aus den ärmeren Gegenden Thailands und versuchen in Bangkok etwas Geld zu machen. Viele arbeiten als Taxifahrer oder verkaufen Früchte und kleine Reisgerichte an den Strassen.
Doch es ist ja bekanntlich nicht alles Gold was glänzt und kurze Zeit später kamen wir dann den westlichen Vorstellungen eines Slums bedeutend näher:
Interessant fand ich hier die unterschiedlich gefärbten Mülltonnen. Recycling?
Nach diesen ersten Eindrücken überquerten wir dann mit dem Boot den Chao-Phraya-Strom um in den Dschungel auf der anderen Seite zu gelangen. Dort angekommen ging es dann auf kleinen Betonstegen so circa 3 Stunden durch die Natur. Wir durchquerten Parks, fütterten Fische, futterten Nudeln im Schatten von Palmen und erschreckten Einheimische mit waghalsigen Überholmanövern auf schmalen Stegen. Die Frauen auf dem rechten Foto halten sich wohl nicht ohne Grund an der Palme fest
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Die Zeit verging wie im Flug und die angeblich zurückgelegten 30km waren wohl niemandem in unserer Gruppe wirklich bewusst. Wieder am Fluss angekommen, konnte man an den Gesichtern der Teilnehmer ablesen, dass eigentlich noch niemand nach Hause wollte. Aber da gab es kein Erbarmen, das Boot wartete bereits…
Zurück in der Stadt wurden wir dann schnell wieder von der Realität eingeholt, denn die letzten 20 Minuten der Tour ging es über laute, vielbefahrene Strassen zurück zum Ausgangspunkt.
Schön wars.
Bis denn.