Archiv für Februar 2008

Radeln im Dschungel

Samstag, 23. Februar, 2008

Heute mal ein bisschen Tourismus:

Wir wohnen ziemlich genau im Zentrum Bangkoks, umgeben von Hochhäusern, Teer und Beton. In den Schluchten zwischen den Türmen kriechen langsam endlose Autoschlangen dahin, links und rechts flankiert von Myriaden kleiner Asiaten. Die Luft riecht wie in einer Indoor-Kartbahn, die Temperaturen liegen bei knapp 30 Grad. Während der Woche leben wir ausschließlich in diesem „concrete jungle“, bevölkert von Strassenkötern, Kakerlaken, Mücken, Fliegen und Menschen. 

Leire scheint damit oftmals besser klarzukommen als ich. Klar, die Gute ist ja auch nicht in Hagelstadt aufgewachsen und hat gerade mal 6 Monate in Regensburg verbracht. Ich hingegen bin in Hailtown aufgewachsen und habe knapp 7 Jahre in Regensburg, der schönsten Stadt der Welt, verbracht – sprich: ich bin vom Land.

So, und wenn ich in Regensburg frische Luft schnappen wollte, dann bin ich aufs Rad gesprungen und nach spätestens 20min war ich im Wald an der Naabspitze oder auf den Winzerer Höhen: die Luft frisch, die Umgebung ruhig, der Geruch angenehem und einerselbst komplett entspannt.

Im letzten Jahr, während ich an meiner Magisterarbeit arbeitete, war das eigentlich tägliche Routine. So ab vier Uhr gings los und irgendwann kurz vor 6 stand man dann in der Abenddämmerung verschwitzt aber glücklich auf der Zugbrücke an der Naabspitze und freute sich über einen gelungenen Tag.

In Bangkok ist das natürlich so nicht möglich, was sicher auch daran liegt, dass es hier keine Naabspitze gibt, keine Fahrradfahrer (ok, ausser der Handvoll Selbstmörder die es tatsächlich wagen sich bei den Verkehrs- UND Luftverhältnissen auf den Bock zu schwingen) und keinen Wald.

Dachte ich zumindest. Doch vergangenen Donnerstag, am so genannten „Buddha-Day“ (ein religiöser Feiertag) überraschte mich Leire dann mit dem, was mir in den letzten Wochen so fehlte, nämlich Fahrradfahren in der Natur :) .

Tatsächlich ist das auch in Bangkok möglich. Südlich des Stadtzentrums bietet ein Holländer Radtouren abseits des täglichen Lärms und Smogs an. Die Rundfahrt mit dem klangvollen Namen „Die Farben von Bangkok“ beginnt nach einer kleinen Aufwärmphase in den Slums der Stadt.

Schöne Slums

Bei dem Wort Slums denkt der Europäer wohl eher an Wellblechbaracken bevölkert mit klebstoffschnüffelnden Zombies als an das, was uns als „Slums“ vorgestellt wurde. In den kleinen verwinkelten Gassen ist es erstaunlich sauber. Überall riecht es nach frisch-gewaschener Wäsche und Essen, die Leute sind freundlich, sitzen gemütlich in oder vor ihren Hütten und sehen alles andere als zerlumpt aus. Kinder spielen , man hört leise Radio und die Planen über den Gassen spenden angenehmen Schatten. Die Leute, die hier wohnen kommen  aus den ärmeren Gegenden Thailands und versuchen in Bangkok etwas Geld zu machen. Viele arbeiten als Taxifahrer oder verkaufen Früchte und kleine Reisgerichte an den Strassen.

Doch es ist ja bekanntlich nicht alles Gold was glänzt und kurze Zeit später kamen wir dann den westlichen Vorstellungen eines Slums bedeutend näher:

Hässliche Slums

Interessant fand ich hier die unterschiedlich gefärbten Mülltonnen. Recycling?

Nach diesen ersten Eindrücken überquerten wir dann mit dem Boot den Chao-Phraya-Strom um in den Dschungel auf der anderen Seite zu gelangen. Dort angekommen ging es dann auf kleinen Betonstegen so circa 3 Stunden durch die Natur. Wir durchquerten Parks, fütterten Fische, futterten Nudeln im Schatten von Palmen und erschreckten Einheimische mit waghalsigen Überholmanövern auf schmalen Stegen. Die Frauen auf dem rechten Foto halten sich wohl nicht ohne Grund an der Palme fest :) .

Russenbaracke Im Dschungel

Die Zeit verging wie im Flug und die angeblich zurückgelegten 30km waren wohl niemandem in unserer Gruppe wirklich bewusst. Wieder am Fluss angekommen, konnte man an den Gesichtern der Teilnehmer ablesen, dass eigentlich noch niemand nach Hause wollte. Aber da gab es kein Erbarmen, das Boot wartete bereits…

Zurück in der Stadt wurden wir dann schnell wieder von der Realität eingeholt, denn die letzten 20 Minuten der Tour ging es über laute, vielbefahrene Strassen zurück zum Ausgangspunkt.

Schön wars.

Bis denn.

Ich haben Fotos implementiert!

Dienstag, 19. Februar, 2008

So, ich habe heute an meinem freien Tag dann doch noch etwas produktives geschafft: Ich kann jetzt Fotos implementieren und zwar so, dass mir das auch gefällt.

Meine erste Tat: 3 Fotos von Koh Samet im Beitrag „Was bisher geschah“.

Im Laufe der nächsten Wochen werde ich dann immer wieder mal ein Bild als visuelle Garnierung einfügen.

Bis denn.

Beruf: Lehrer

Montag, 18. Februar, 2008

Ich wollte nie Lehrer werden.

Ich wollte nie Lehrer 

Ich wollte nie

Ich wollte

Ich

Ich bin

Ich bin Lehrer.

Tja, was soll ich sagen? Leerprobe bestanden, ab 12. März meinen eigenen Kurs, bis dahin ab und zu Vertretung und vor allem noch ein wenig Urlaub machen.

Hoffe euch gehts auch gut :)

Goethe und die liebe Bildung

Dienstag, 12. Februar, 2008

Ja, es war der liebe Herr Goethe, der den Prototyp des Bildungsromans schuf.

Und ich bin es, der darunter leidet.

Mittlerweile hospitiere ich die zweite Woche (letzte Woche war nur eine halbe) am lieben Goethe-Institut und die Freude könnte nicht größer sein.

Alles voll mit deutschen Akademikern. Und die bringen hier Thailändern das liebe Deutsch bei. Ganz im Sinne Goethes wie ich finde, denn 99 Prozent der Schüler sind damit ähnlich überfordert wie seinerzeit meinereiner beim ersten Lesen des Wilhelm Meister mit jungfräulichen 20 Lenzen auf dem Buckel.

Zur Situation: Das Institut hatte bis vor kurzem noch große Probleme ausreichend Kursteilnehmer zu bekommen um seine kleine Lehrerschar am Leben zu halten (Welcher Thailänder lernt schon freiwillig Deutsch und warum?). Diese Situation hat sich mit Einführung des so genannten „Start Deutsch 1″-Tests im vergangenen Jahr schlagartig geändert. Denn jetzt müssen die vielen thailändischen Frauen mit deutschen Männern oder Freunden, die in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen möchten, vorher einen kleinen Sprachtest absolvieren.

Und plötzlich boomt das Institut, der Laden platzt aus allen (schlecht gemauerten) Fugen, die Klassenzimmertüren biegen sich nach außen vor lauter Schülern und schnell müssen neue Lehrer her. Tataaaa, und da war ich :)

Ich hospitiere also nun die zweite Woche (siehe oben) in einem dieser Kurse, die die Grundlagen zur erfolgreichen Absolvierung des „Start Deutsch 1″-Tests legen sollen. 17 Frauen, kein Mann (Scheinbar gibt es nur wenige deutsche Frauen, die sich ihre Männer aus Thailand rekrutieren. Wo bleibt da die Emanzipation? frage ich…).

Im Grunde genommen ist der Job ganz in Ordnung. Derzeit bin ich täglich 4 Stunden am Institut, zwei unterrichte ich zur Probe (unter der Aufsicht meines Lehrers), zwei schaue ich mir an. Meine lehrtechnischen Fähigkeiten scheinen sich in den letzten Tagen verbessert zu haben, denn mein Lehrer zeigt sich mehr und mehr zufrieden mit meinem Lehrstil.

Und langsam bekomme ich auch mehr Sicherheit. Wer mich kennt weiß, dass ich es nie mochte vor einer Gruppe stehend irgendwelche Vorträge zu halten. Dementsprechend WOLLTE ICH NIE LEHRER WERDEN. Jetzt scheint es aber (vorausgesetzt ich schaffe die anstehende Lehrprobe) doch so zu kommen und ich bin mittlerweile der Ansicht, dass mir das sogar zum Vorteil gereichen könnte. Wer Höhenangst hat, kuriert sich mit nem Fallschirmsprung (oder so ähnlich).
Wie gesagt, die Sicherheit wächst stetig und mittlerweile glaub ich sogar, dass ich über kurz oder lang Spass an meinem Job haben werde.

Und darauf freue ich mich.

Bis dahin liegen aber noch harte Tage vor mir. Zunächst steht die Lehrprobe an (vielleicht schon nächste Woche). Das wird mit Sicherheit kein Spaziergang beim Leistungsstand meiner Klasse. Dann bekomme ich meinen eigenen 4-Wochen Kurs, den es ordentlich zu führen gilt. Und dann den nächsten, den nächsten, den nächsten…

Und in ein paar Monaten habe ich dann hoffentlich genügend Routine um wieder etwas mehr zu leben und weniger zu arbeiten. Denn im Moment fühlt sich das alles etwa so an wie im Dezember 07 als ich meinen Magister machte.

So, und jetzt gehts in die Arbeit.

Hoffe, euch gehts allen gut soweit.  

Bis denn