Archiv für Mai 2008

Highway to hell

Mittwoch, 28. Mai, 2008

Man fährt nicht in Bangkok, man steht im Stau, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Es sei denn, man bewegt sich auf zwei Rädern. Ein paar Verrückte versuchen sich auf Fahrrädern (meistens Farangs) durch die Blechlawinen zu schlängeln, was meiner Meinung nach angesichts der Temperaturen, Luftverhältnisse und Fahrweise der Thais einem vorsätzlichen Suizid gleichkommt. Der Rest der Zweiradfahrer nimmt den Roller.

In den letzten Monaten fahre ich sehr viel auf dem Sozius verschiedener Thais mit. Sei es zum Fussball, Wakeboarden (*),  ins Stadion (**) oder einfach mal zum Essen. Einerseits macht das sehr viel Spaß, wenn man nachts durch die Straßen von Krung Thep (so nennen die Thais ihre Hauptstadt) brettert und einem der Fahrtwind etwas Kühlung verschafft. Es kann sehr entspannend sein, nach einem anstrengenden Fussballspiel in gemächlichem Tempo heim zu tuckern und die Atmosphäre dieser verrückten Stadt auf sich wirken zu lassen. Keine andere Fortbewegungsart lässt einen so nah das Stadtgefühl Bangkoks erleben wie auf dem Sozius eines entspannt fahrenden Thais.

Allerdings passiert das mit dem entspannt tuckern nur sehr sehr selten. Denn in der Regel ist man in Eile und das bedeutet fahrtechnisch „on a Highway to hell“. Da wird mit 125-Staubsaugerkubik gefahren was die Reisschüssel hergibt. Sich mit 80, 90 Sachen zwischen zwei Autos auf dem Mittelstreifen (Abstand zu den jeweiligen Aussenspiegeln jeweils gefühlte 2cm) durchzuquetschen, dabei ständig zu hupen um auf sich aufmerksam zu machen und sich nebenbei noch mit leicht nach hinten geneigten Kopf mit dem Mitfahrer zu unterhalten, ist ein Standardmanöver für den erfahrenen Rollerfahrer. Die Straßenwartung in Bangkok entspricht nicht den deutschen Standards, dementsprechend ist es völlig normal mitten auf der Straße plötzlich ein 10cm tiefes Schlagloch vorzufinden, dem man aber bei oben genannten Geschwindigkeiten nicht mehr ausweichen kann und deshalb einfach – den Lenker fest gerade haltend – darüber hinweg fliegt. Da schlagen die Dämpfer durch dass es nur so eine Freude ist und wenn man nicht darauf vorbereitet war, beisst man sich schnell mal auf die Zunge oder verrenkt sich den Rücken so derb, dass man zwei Tage Hexenschuss hat.

Mit Heng hatte ich da schon einige Nahtoderfahrungen aber mittlerweile bin ich geschulter was das Mitfahren betrifft, schaue immer auf die Straße und halte mich mit mit beiden Händen am Spoiler fest. Von meiner Wohnung bis zum Fussballplatz brauche ich mit Heng bei oben erklärter Fahrweise circa 25 Minuten.

Vor ein paar Tagen nun kam ich zu spät zum Treffpunkt und musste deshalb mit seinem Cousin, Spitzname „Nut“, mitfahren. Der war schon ziemlich angepisst weil er warten musste und weil wir spät dran waren und laberte irgendwas von „heute mal ein wenig schneller fahren“ oder so. „Ein wenig“ war in meinen Augen leicht untertrieben. Wir fuhren dieselbe Strecke in unter 13 Minuten. Als wir am Platz ankamen und ich mit schlotternden Knien von seiner Höllenmaschine abstieg, in Gedanken den Boden küsste und mich über meine neues Leben freute wie ein buddhistischer Mönch nach der Wiedergeburt, blinzelte mich Nut aus seinen Augenschlitzen freundlich an und meinte: „Hey, das ist neuer Rekord und das MIT Beifahrer!“.

„Klasse Nut, wirklich klasse Du Teufelskerl!“ sagte ich zu ihm und er freute sich über mein Lob.

Denn Ironie ist den Thailändern fremd…

Bis denn

(*) jap, ich mach jetzt auf supercool :)

(**) Habe mir letztens für schlappe 2 Euro Manchester City gegen eine „Dreamteam“-Auswahl Thailands angeschaut. Die Thais haben mit 3:1 gewonnen, sorry Sven Goran aber Du hast es echt nicht drauf. Mit dem SV Hagelstadt in Bestbesetzung hätten wir die Engländer geputzt, da wett ich :) !

Danke!

Dienstag, 20. Mai, 2008

Ja, ihr entnehmt es dem Titel bereits, ich möchte mich bedanken. Bei der Handvoll Leuten, die immer wieder an mich denkt, mir Cola-Codes schickt, mir zum Geburtstag gratuliert, mal ne SMS schreibt, mal ne E-Mail schickt oder sich mein Bla-erei auf dieser Seite hier reinzieht.

Ich hab euch sehr gern und um diese Worte kitschig zu umranden hier ein Foto, auf dem ich mit nichts als einem Handtuch um die Hüften hemmungslos vor Rührung weine:

So, genug der Sentimentalitäten, ich habe noch fünf Minuten Zeit und werde deshalb zu eurer Unterhaltung ein oder zwei Kurzerlebnisse aus dem lustigen Bangkok schreibenderweise erzählen:

1. Hunde auf zwei Beinen, die Evolution ist nicht aufzuhalten!

Es begab sich einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, dass der Hoglstaedara an seiner Stamm-Haltestelle nach der Arbeit saß und auf seinen Bus wartete. Das kann mitunter bis zu einer Stunde dauern, was auch daran liegt, dass die Busfahrer in Bangkok sich nicht immer dazu verpflichtet fühlen an den Haltestellen anzuhalten, besonders dann wenn der Verkehr gerade nicht stockt. Wenn also schon mal kein Stau ist, dann wollen die fahren und nicht alle paar Minuten wegen ein paar lästigen Fahrgästen anhalten. Ich verstehe das. Sind ja auch Busfahrer und nicht „MitmBusimStausteher“.

Nun denn, ich sitze da so rum und verpasse meinem Anzughemd ein paar schöne Essteller-große Schweißflecken links und rechts im Achselbereich, da hält ein TukTuk vor meinen Augen. Für Leute, die nicht wissen was das ist, hier eine Visualisierung:

 

Jap, in Deutschland käme sowas nicht durch den TÜV, nicht einmal wenn der Herr vom TÜV aus der eigenen Verwandtschaft stammt.

Also, das TukTuk hält, und es steigt eine dickliche Thailänderin mit zwei Straßenhunden und einer riesengroßen Tüte Müll aus. Geht zur Telefonzelle neben der Haltestelle, nimmt dort einen Besen heraus (!), kehrt dreimal um die Telefonzelle herum den Dreck weg und wieder zurück und beginnt dann lauthals Leute zu beschimpfen die ihrerseits versuchen die Alte zu ignorieren. Im nächsten Moment kommt von rechts ein Rudel von 6 anderen Strassenhunden angeprescht und attackiert ihre beiden Köter. Ich sitze etwas abseits und beobachte fasziniert das taktische Verhalten der Angreifer bin aber gleichzeitig bereit, sofort die Flucht zu ergreifen, falls diese Massenschlägerei unter Strassenköter sich ausweitet. Die Alte vertreibt die Strassenhunde mit ihrem Besen, den sie flugs wieder aus der Telefonzelle geholt hat und beginnt daraufhin ihre beiden Köter zu beschimpfen. Die haben den Schwanz so weit eingekniffen und die Ohren so tief gesenkt, dass man eigentlich nur noch darauf wartete bis sie im Gesicht rot anlaufen würden. Aber Hunde werden nicht rot wenn sie sich schämen, ich weiß das jetzt. Die dicke Alte ist wütend über ihre „Pussydogs“ und möchte gehen. Ein Hund folgt ihr, der andere, kleinere und hässlichere kauert sich zitternd unter eine Bank und will nicht mit. Was macht die Alte?

Richtig. Seit diesem Tag weiß ich nicht nur, dass Hunde nicht rot im Gesicht werden können, nein ich weiß jetzt auch, dass sie – an der rechten Vorderpfote „geführt“ – auf zwei Beinen neben einem Menschen herlaufen können. Auch wenn ihnen das schrecklich weh tut und sie das gar nicht wollen. Die spinnt, die Alte.

2. Unten rum nackig und glücklich

Gestern abend, halb elf, überquere ich eine vielbefahrene Straße in der Nähe meines Hotels und denke mir warum der Kerl, der da hinter der circa 30 cm hohen Hecke auf dem Mittelstreifen kniet so glücklich ist und allen Leuten, auch mir, zuwinkt. Ich passiere den Mittelstreifen und sehe sofort den Grund. Der junge Mann, der im Baumarkt offensichtlich gerne mal in der Holzleimabteilung einkaufen geht, ist untenrum nackig und kann nur mit einer Hand winken, weil die andere…Na?

Richtig. Aber er war in diesem Moment ziemlich glücklich wie es scheint. Und das ist doch das Wichtigste…

Hoffe euch gehts gut,

bis denn.

Ich bin dann ma so halb weg

Montag, 12. Mai, 2008

So, es gibt ein paar Veränderungen durch die ich leider meine eh schon knappe Online-Zeit noch weiter einschränken muss. Kurz gesagt: ich kann weder skypen noch alle E-Mails sofort beantworten (das habe ich zwar bislang auch kaum getan, aber jetzt gibt es einen Grund dafür :) ).

Um euch dennoch bei Laune zu halten, habe ich hier ein kleines Video für euch. Gerade den Baam dürfte das gefallen (sofern Du neben deinem Betreuer-Job überhaupt noch Zeit hast fürs Internet :) ).

Aufgenommen wurde das Ganze an einer Metro-Station in Bangkok von meiner Person an einem späten Feierabend vor zwei Wochen. Eine elektrisch verstärkte, 3-seitige Gitarre auf der dieser thailändische Sprößlings des God of Rock and Roll seinem diabolischen Gefidel freien Lauf lässt.

Leider hatte ich gerade mal Speicher für ne knappe Minute, aber länger würde das eh keinen interessieren.

Bis denn

Tom