Man fährt nicht in Bangkok, man steht im Stau, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Es sei denn, man bewegt sich auf zwei Rädern. Ein paar Verrückte versuchen sich auf Fahrrädern (meistens Farangs) durch die Blechlawinen zu schlängeln, was meiner Meinung nach angesichts der Temperaturen, Luftverhältnisse und Fahrweise der Thais einem vorsätzlichen Suizid gleichkommt. Der Rest der Zweiradfahrer nimmt den Roller.
In den letzten Monaten fahre ich sehr viel auf dem Sozius verschiedener Thais mit. Sei es zum Fussball, Wakeboarden (*), ins Stadion (**) oder einfach mal zum Essen. Einerseits macht das sehr viel Spaß, wenn man nachts durch die Straßen von Krung Thep (so nennen die Thais ihre Hauptstadt) brettert und einem der Fahrtwind etwas Kühlung verschafft. Es kann sehr entspannend sein, nach einem anstrengenden Fussballspiel in gemächlichem Tempo heim zu tuckern und die Atmosphäre dieser verrückten Stadt auf sich wirken zu lassen. Keine andere Fortbewegungsart lässt einen so nah das Stadtgefühl Bangkoks erleben wie auf dem Sozius eines entspannt fahrenden Thais.
Allerdings passiert das mit dem entspannt tuckern nur sehr sehr selten. Denn in der Regel ist man in Eile und das bedeutet fahrtechnisch „on a Highway to hell“. Da wird mit 125-Staubsaugerkubik gefahren was die Reisschüssel hergibt. Sich mit 80, 90 Sachen zwischen zwei Autos auf dem Mittelstreifen (Abstand zu den jeweiligen Aussenspiegeln jeweils gefühlte 2cm) durchzuquetschen, dabei ständig zu hupen um auf sich aufmerksam zu machen und sich nebenbei noch mit leicht nach hinten geneigten Kopf mit dem Mitfahrer zu unterhalten, ist ein Standardmanöver für den erfahrenen Rollerfahrer. Die Straßenwartung in Bangkok entspricht nicht den deutschen Standards, dementsprechend ist es völlig normal mitten auf der Straße plötzlich ein 10cm tiefes Schlagloch vorzufinden, dem man aber bei oben genannten Geschwindigkeiten nicht mehr ausweichen kann und deshalb einfach – den Lenker fest gerade haltend – darüber hinweg fliegt. Da schlagen die Dämpfer durch dass es nur so eine Freude ist und wenn man nicht darauf vorbereitet war, beisst man sich schnell mal auf die Zunge oder verrenkt sich den Rücken so derb, dass man zwei Tage Hexenschuss hat.
Mit Heng hatte ich da schon einige Nahtoderfahrungen aber mittlerweile bin ich geschulter was das Mitfahren betrifft, schaue immer auf die Straße und halte mich mit mit beiden Händen am Spoiler fest. Von meiner Wohnung bis zum Fussballplatz brauche ich mit Heng bei oben erklärter Fahrweise circa 25 Minuten.
Vor ein paar Tagen nun kam ich zu spät zum Treffpunkt und musste deshalb mit seinem Cousin, Spitzname „Nut“, mitfahren. Der war schon ziemlich angepisst weil er warten musste und weil wir spät dran waren und laberte irgendwas von „heute mal ein wenig schneller fahren“ oder so. „Ein wenig“ war in meinen Augen leicht untertrieben. Wir fuhren dieselbe Strecke in unter 13 Minuten. Als wir am Platz ankamen und ich mit schlotternden Knien von seiner Höllenmaschine abstieg, in Gedanken den Boden küsste und mich über meine neues Leben freute wie ein buddhistischer Mönch nach der Wiedergeburt, blinzelte mich Nut aus seinen Augenschlitzen freundlich an und meinte: „Hey, das ist neuer Rekord und das MIT Beifahrer!“.
„Klasse Nut, wirklich klasse Du Teufelskerl!“ sagte ich zu ihm und er freute sich über mein Lob.
Denn Ironie ist den Thailändern fremd…
Bis denn
(*) jap, ich mach jetzt auf supercool
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(**) Habe mir letztens für schlappe 2 Euro Manchester City gegen eine „Dreamteam“-Auswahl Thailands angeschaut. Die Thais haben mit 3:1 gewonnen, sorry Sven Goran aber Du hast es echt nicht drauf. Mit dem SV Hagelstadt in Bestbesetzung hätten wir die Engländer geputzt, da wett ich
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