Archiv für Oktober 2008

Impressionen

Montag, 20. Oktober, 2008

Hoffe, euch gehts gut.

Tom

Fussball – Teil 1

Donnerstag, 16. Oktober, 2008

Wie in nahezu jedem Artikel bereits mehrfach besprochen, spiele ich hier auch Fussball und Futsal. Letzteres ist wie Hallenfussball nur mit einem kleineren und härteren Ball, der kaum springt. Heute möchte ich von den Anfängen berichten.

Angefangen hat alles im Januar oder Februar dieses Jahres als ich entdeckte, dass in einer kleinen Seitenstraße neben meinem Hotel eine „Futsal-Anlage“ liegt, sprich: Eine relative ebenerdige Betonfläche mit aufgemalten Linien und zwei Toren. Der liebe Heng war es, den ich an selbigem Tag kennen lernte und der mich auch gleich einlud, mitzukicken. Ich hatte ja vorausschauenderweise sowohl Hallenschuhe als auch Fussballschuhe aus der Heimat mitgebracht und konnte somit bestens ausgerüstet eines sonnigen Mittags bei 35 Grad meine ersten Erfahrungen in Sachen Futsal machen. Gespielt wurde und wird immer Thais gegen Inder. Ich hab beim ersten Mal zufällig bei den Indern mitgespielt und bin seitdem auf besagter Futsal-Anlage ein Inder.

Galam: MY FRIEND! HERE! LENLENLENLENLENLEN!

An diesem ersten Tag durfte ich dann auch gleich die Sri Lanka-Fischverkäufer-Connection kennen lernen: Galam und Asok. Galam ist ein dicker Inder aus Sri Lanka und kauft jeden Tag ab vier Uhr, wenn die Fischerkähne nach Bangkok raufkommen in großen Mengen Fisch, der dann getrocknet nach Sri Lanka verschifft wird. Der macht so richtig Kohle, lebt aber seit über 12 Jahren in einer 12qm Bude und leistet sich auch sonst keinen Luxus. Außer diverse Flaschen Bier am Abend. Durch Galam habe ich damals gleich gelernt was „Spiel ab!“ auf Thai heißt: Len! Das brüllt der nämlich ständig, der kleine dicke Inder. Und auch sonst markiert er gerne den Chef auf dem Platz obwohl er miserabelst spielt. Aber er bezahlt die Platzmiete und deshalb beschwert sich keiner. Gut, die Thais würden sich sowieso nicht beschweren, die grinsen nur und denken sich ihren Teil. Sein Compagnon heißt Asok. Ein weitaus angenehmerer Zeitgenosse als Galam und

Asok

Asok: "We buy se fish!"

ein bei weitem besser Fussballer. Ganz am Anfang, als ich noch gar nix über die beiden wusste, fragte ich mal Asok: „Sag mal Asok, was machst Du eigentlich beruflich?“ Worauf dieser in mafiösestem Englisch (man erinnere sich an Dr. Doolittle und den Biber oder der Pate…) antwortete: “ We buy se Fish“ – Situationskomik vom Feinsten. Der goldene Anhänger um seinen Hals ist übrigens – wie sollte es anders sein – ein Fisch. Und massiv.

Seit nunmehr 3 Monaten wird an besagter Stelle nicht mehr gespielt, was vor allem daran liegt, dass Galam für die Thais auf Dauer einfach zu stressig war, mit seinem ewigen Genöle, Rumgeschreie und Chefseinwollen. Irgendwann ist dann einfach keiner mehr gekommen und der Schreihals stand alleine auf dem Platz. Ich finds schade, denn in Sachen Culture Clash war das immer sehr interessant, wenn die Thais es mit den Indern aufnahmen und ich mittendrin. Denn da gibt es durchaus nationalistische Tendenzen. Nur allzu gerne betonen die Thais, dass die Inder nicht gut riechen und nur zu gerne foulen die Inder die „Schönspieler“-Thais, die ja meinen sie wären was besseres… Naja, mal sehen, angeblich soll demnächst mal wieder dort gespielt werden. Ich bin dann auf jeden Fall dabei. Kanns kaum erwarten die lustigen Inder wieder zu sehen.

In memory of these good old times hier noch zwei Bilder, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Kettenraucher, knapp 80 und überall tätowiert.

Der Besitzer: Kettenraucher, knapp 80 und überall tätowiert.

Ersatzbank

Ersatzbank der Inder: echt witzige Zeitgenossen

Ja, wie gesagt, das waren lustige Nachmittage. Die Hitze war die ersten Male noch fast unerträglich, 2 Liter Wasser pro Stunde Standard. Gespielt wurde im Schnitt so knapp 2 Stunden. Danach bin ich auch immer vollstens bedient. Biologisch interessant fand und finde ich, dass – obwohl ich um die 2 bis 3 Liter – während des Spiels trinke, nie zum pinkeln muss. Meistens auch bis zu einer Stunde nach dem Spiel nicht. Mir kommts manchmal so vor, als würde sich das Wasser gar nicht mehr die Mühe machen, den Umweg über Niere und Blase zu nehmen, sondern gleich direkt über die Poren wieder rauskommen…

Jap, so fing alles an. Über diese ersten Kontakte habe ich dann langsam die Thais kennen gelernt, mit denen ich jetzt spiele. Aber dazu mehr im zweiten Teil.

Bis denn

Tom

Was gibts Neues im Hause Hoglstaedara?

Freitag, 10. Oktober, 2008

Ein herzliches „Grüss Gott“ an alle, die hier trotz spartanischer Artikeldichte weiterhin ab und zu vorbeischauen, alle Google Suchmaschinen eingeschlossen.

Ja meine Freunde, es ist wieder einmal an der Zeit euch über die neuesten Entwicklungen im Hause Hoglstaedara aufzuklären.

Zunächst der Status Quo: Keine Veränderungen. Viel Arbeit, viele Autos, viele Roller, viel Teer und Beton, viele Asiaten und Asiatinnen, viele Mücken, wenig Sauerstoff, wenig Kühlung, wenig Natur, wenig Ruhe, keine Radwege.

Der Job läuft so dahin, ich unterrichte im Schnitt zwischen 40 und knapp 60 Stunden die Woche, verdiene einigermaßen gutes Geld, die Schüler mögen mich, die Kollegen größtenteils auch.

Im Fussball bin ich nach wie vor der einzige Falang weit und breit, ich hab immer noch nicht gelernt auf zwei Quadratzentimetern Platz samt Ball an einem Dutzend Thais vorbeizudribbeln, kann aber dafür immer noch am härtesten von allen schießen und wenn sich dann alle aus Angst wegducken, schieße ich auch Tore.

Auch mit Frau Lopez läufts soweit sehr gut, wir haben eine durchaus exquisite Wohnung (aber ich glaube, davon habe ich schon berichtet), gehen beide unseren Berufen nach und versuchen uns trotz aller Arbeit kleine Zeitinseln am Wochenende zu schaffen, die wir dann mit Nichtstun, Schlafen, Kino, Massagen, Essen, Trinken, kleinen Ausflügen, Schwimmen, Picknicks und !!!Meditationen!!! füllen. Letzteres wird allen, die mich kennen, seltsam vorkommen. Dazu deshalb mehr:

Also, gleich neben unserer Straße ist ein kleiner Park, oder besser: Eine Ansammlung von Bäumen und kleinen Rasenstücken, die von geteerten Gehwegen und stinkenden Grauwasserbrunnen unterbrochen wird, umrandet von Wolkenkratzern, Hochhäusern und Hauptverkehrsstraßen. So, in diesem „Park“ befindet sich die „International School Of Buddhism“ oder so ähnlich, ein relativ großes Gebäude mit einem Hörsaal, in dem am Wochenende, Sonntags um genauer zu sein, Vorlesungen zum Thema „Buddhismus und Meditation“ stattfinden. Meine liebe Freundin, die ja – manche von euch wissen das vielleicht noch – bislang selbsterklärte Atheistin war, interessiert sich nun neuerdings für dieses Zeug und hat mich deshalb schon zweimal in besagte Vorlesungen mitgeschleift. Meinereiner verbindet mit Meditation, Buddhismus und Spiritualität ja eher Pseudokiffer mit Batikshirts und indischen Wandteppichen, Räucherstäbchen und Tee aus hölzernen Eierbechern. Alles Sachen, die mir zutiefst zuwider waren und immer noch sind. So Menschen, die mit verfilzten Haaren rumlaufen und am liebsten alle Probleme in Stuhlkreisen in ihrer WG ausdiskutieren müssen. Schrecklich…

Nun, ich muss sagen, an diesem Bild hat sich weiterhin nichts geändert. Dennoch waren die Vorlesungen ganz interessant. Letztes Wochenende war ein Thaimönch da, der mit 14 nach Australien auswanderte, sich dort einer Gang anschloß, Geldeintreiber wurde und dann mit 30 aber die Notbremse zog, da er sonst wohl von der Mafia kaltgemacht worden wäre. Und was macht man als ehemaliger Ganove und schlechter Mensch wenn einen die Gangsterwelt nicht mehr mag? Richtig, man wird Mönch, bereist die Welt und erzählt allen Interessierten oder Mitgeschleiften wie man denn die Erleuchtung bekommt. Naja, irgendwie wars wirklich ganz interessant, auch wenn die Geschichte so oder ein bisschen anders schon hundertmal irgendwo erzählt wurde. Manche werden Sozialarbeiter, andere schreiben ein Buch, die nächsten werden Pfarrer oder Sextrainer, es soll auch welche geben, die sich einfach einen Job gesucht und eine Familie gegründet haben und niemanden davon erzählen. Aber von denen hört man ja nix. Trotzdem, diese Einführungsveranstaltungen zum Thema Buddhismus sind eine willkommene Abwechslung an einem Sonntagnachmittag und ich werde wieder hingehen. Bin gespannt, obs nächste Woche einen Ex-Hero-Junkie oder einen gefallenen Politiker gibt. Davon gäbs hier ja auch reichlich…

Zum Thema „nahe Zukunft“: So wie es gerade ausschaut, werden Leire und ich dann im Januar oder Februar nächsten Jahres die Zelte hier abbrechen und den Sprung aus der Betonwüste gen Abenteuer wagen. Wir werden wohl zunächst ein paar Wochen in Indonesien verbringen und dann vielleicht noch Australien und Mexiko ansteuern. Wie lange wissen wir nicht, aber die finanziellen Resourcen werden uns wohl nicht erlauben, länger als ein paar Monate zu reisen. Tja und dann gehts nach Regensburg oder Bilbao, das muss noch ausgeknobelt werden.

Aber wer uns kennt weiß, dass auch dieser Plan wohl keinen Bestand haben wird. Entweder wir verkrachen uns wieder oder ich brech mir das Bein oder wir werden Mönche oder gewinnen im Lotto oder bleiben doch noch länger. Letzteres ist allerdings eher unwahrscheinlich, denn ein Jahr Bangkok ist in meinen Augen mehr als genug.

Im November gehts ziemlich sicher für ein paar Tage nach Kambodscha oder Kamboja oder wie man das nennt, dort gibts nen ziemlich krassen Tempel den wir uns anschauen wollen.

Dieses Wochenende werde ich mit meinen Goethe Kollegen nach Pattaya auf eine Fortbildung fahren. Ich habe natürlich überhaupt keinen Bock und überlege schon den ganzen Tag ob ich denn meine Chefin anrufe und ihr sage, dass ich mir mit schlechtem Fisch den Magen verdorben habe. Das wäre für Bangkok eine durchaus realistische Ausrede… mal gucken.

So, wie immer, hoffe ich, dass es euch gut geht.

Mir gehts super soweit.

Tom