Viele Polizisten, Sicherheitsleute, Parkwächter oder sonstige Menschen in Uniformen in Bangkok lieben das Winken. Am liebsten im Feierabendverkehr, dann wenn man Stoßstange an Stoßstange fährt.
Immer wieder sieht man zu diesen Stoßzeiten am Straßenrand Uniformierte stehen, die die Verkehrsteilnehmer durch Winken wohl dazu animieren wollen, schneller und näher am Vordermann zu fahren. Das Paradoxe daran ist nur, dass das eh schon jeder macht. Da passt keine Hand mehr zwischen die Karossen. Thais fahren ohne Sicherheitsabstand, mit oder ohne Stau, das ist vollkommen egal. Selbst wenn nur zwei Autos hintereinander auf einer komplett leeren Straße fahren würden, würde der, der hinten fährt, dem anderen fast den Arsch wegfahren. Das gehört hier zur Straßenknigge.
Warum also das Winken? frage ich mich. Wieso stellen sich Parkwächter zusammen mit anderen Uniformierten auf die Straße und winken der vorbeifahrenden Autolawine zu. Geht ihnen da einer ab bei? „Ich habe eine Uniform und ich kann machen, dass der Verkehr rollt!“ Ähnlich, wie man zu einem sitzenden Hund „Sitz!“ sagen und sich dabei wahnsinnig mächtig vorkommen würde.
Manchmal stelle ich mir vor, dass mal einer der Jungs im Feierabendverkehr plötzlich mit dem Winken aufhört und dass dann alle sofort stehenbleiben: „Ey, der winkt nicht mehr, ich fahr nicht weiter!“. – Huuuuup, Huuuup: „Ey, fahr weiter du Penner!“ – „Geht nicht, der Typ in der Uniform winkt nicht mehr!“ – „Ah ok, sorry!“
Ein anderer Gedanke, der mir im Feierabendverkehr oft durch den Kopf geht: „Wie würde sich ein bayerischer Verkehrspolizist (gerne einer von denen, die in Regensburg mit Sonnenbrille und Ellenbogen aus dem Fenster, Sonntags ihren grün-weißen 5er alle 20 Minuten im Schrittempo über den Haidplatz schieben und das Arbeiten nennen…) wohl verhalten, würde er von einer Minute auf die andere in Bangkok zur Hauptverkehrszeit eine der großen Kreuzungen mit Trillerpfeife und Handzeichen regeln müssen…“ Der würde nach 20 Minuten mit starrem Blick, den Daumen im Mund und in Embryo-Stellung auf dem Boden kauern, langsam vor und zurück wippen und leise „Mama, I wui hoam!“ wimmern…
End of story.