Ein herzliches „Grüss Gott“ an alle, die hier trotz spartanischer Artikeldichte weiterhin ab und zu vorbeischauen, alle Google Suchmaschinen eingeschlossen.
Ja meine Freunde, es ist wieder einmal an der Zeit euch über die neuesten Entwicklungen im Hause Hoglstaedara aufzuklären.
Zunächst der Status Quo: Keine Veränderungen. Viel Arbeit, viele Autos, viele Roller, viel Teer und Beton, viele Asiaten und Asiatinnen, viele Mücken, wenig Sauerstoff, wenig Kühlung, wenig Natur, wenig Ruhe, keine Radwege.
Der Job läuft so dahin, ich unterrichte im Schnitt zwischen 40 und knapp 60 Stunden die Woche, verdiene einigermaßen gutes Geld, die Schüler mögen mich, die Kollegen größtenteils auch.
Im Fussball bin ich nach wie vor der einzige Falang weit und breit, ich hab immer noch nicht gelernt auf zwei Quadratzentimetern Platz samt Ball an einem Dutzend Thais vorbeizudribbeln, kann aber dafür immer noch am härtesten von allen schießen und wenn sich dann alle aus Angst wegducken, schieße ich auch Tore.
Auch mit Frau Lopez läufts soweit sehr gut, wir haben eine durchaus exquisite Wohnung (aber ich glaube, davon habe ich schon berichtet), gehen beide unseren Berufen nach und versuchen uns trotz aller Arbeit kleine Zeitinseln am Wochenende zu schaffen, die wir dann mit Nichtstun, Schlafen, Kino, Massagen, Essen, Trinken, kleinen Ausflügen, Schwimmen, Picknicks und !!!Meditationen!!! füllen. Letzteres wird allen, die mich kennen, seltsam vorkommen. Dazu deshalb mehr:
Also, gleich neben unserer Straße ist ein kleiner Park, oder besser: Eine Ansammlung von Bäumen und kleinen Rasenstücken, die von geteerten Gehwegen und stinkenden Grauwasserbrunnen unterbrochen wird, umrandet von Wolkenkratzern, Hochhäusern und Hauptverkehrsstraßen. So, in diesem „Park“ befindet sich die „International School Of Buddhism“ oder so ähnlich, ein relativ großes Gebäude mit einem Hörsaal, in dem am Wochenende, Sonntags um genauer zu sein, Vorlesungen zum Thema „Buddhismus und Meditation“ stattfinden. Meine liebe Freundin, die ja – manche von euch wissen das vielleicht noch – bislang selbsterklärte Atheistin war, interessiert sich nun neuerdings für dieses Zeug und hat mich deshalb schon zweimal in besagte Vorlesungen mitgeschleift. Meinereiner verbindet mit Meditation, Buddhismus und Spiritualität ja eher Pseudokiffer mit Batikshirts und indischen Wandteppichen, Räucherstäbchen und Tee aus hölzernen Eierbechern. Alles Sachen, die mir zutiefst zuwider waren und immer noch sind. So Menschen, die mit verfilzten Haaren rumlaufen und am liebsten alle Probleme in Stuhlkreisen in ihrer WG ausdiskutieren müssen. Schrecklich…
Nun, ich muss sagen, an diesem Bild hat sich weiterhin nichts geändert. Dennoch waren die Vorlesungen ganz interessant. Letztes Wochenende war ein Thaimönch da, der mit 14 nach Australien auswanderte, sich dort einer Gang anschloß, Geldeintreiber wurde und dann mit 30 aber die Notbremse zog, da er sonst wohl von der Mafia kaltgemacht worden wäre. Und was macht man als ehemaliger Ganove und schlechter Mensch wenn einen die Gangsterwelt nicht mehr mag? Richtig, man wird Mönch, bereist die Welt und erzählt allen Interessierten oder Mitgeschleiften wie man denn die Erleuchtung bekommt. Naja, irgendwie wars wirklich ganz interessant, auch wenn die Geschichte so oder ein bisschen anders schon hundertmal irgendwo erzählt wurde. Manche werden Sozialarbeiter, andere schreiben ein Buch, die nächsten werden Pfarrer oder Sextrainer, es soll auch welche geben, die sich einfach einen Job gesucht und eine Familie gegründet haben und niemanden davon erzählen. Aber von denen hört man ja nix. Trotzdem, diese Einführungsveranstaltungen zum Thema Buddhismus sind eine willkommene Abwechslung an einem Sonntagnachmittag und ich werde wieder hingehen. Bin gespannt, obs nächste Woche einen Ex-Hero-Junkie oder einen gefallenen Politiker gibt. Davon gäbs hier ja auch reichlich…
Zum Thema „nahe Zukunft“: So wie es gerade ausschaut, werden Leire und ich dann im Januar oder Februar nächsten Jahres die Zelte hier abbrechen und den Sprung aus der Betonwüste gen Abenteuer wagen. Wir werden wohl zunächst ein paar Wochen in Indonesien verbringen und dann vielleicht noch Australien und Mexiko ansteuern. Wie lange wissen wir nicht, aber die finanziellen Resourcen werden uns wohl nicht erlauben, länger als ein paar Monate zu reisen. Tja und dann gehts nach Regensburg oder Bilbao, das muss noch ausgeknobelt werden.
Aber wer uns kennt weiß, dass auch dieser Plan wohl keinen Bestand haben wird. Entweder wir verkrachen uns wieder oder ich brech mir das Bein oder wir werden Mönche oder gewinnen im Lotto oder bleiben doch noch länger. Letzteres ist allerdings eher unwahrscheinlich, denn ein Jahr Bangkok ist in meinen Augen mehr als genug.
Im November gehts ziemlich sicher für ein paar Tage nach Kambodscha oder Kamboja oder wie man das nennt, dort gibts nen ziemlich krassen Tempel den wir uns anschauen wollen.
Dieses Wochenende werde ich mit meinen Goethe Kollegen nach Pattaya auf eine Fortbildung fahren. Ich habe natürlich überhaupt keinen Bock und überlege schon den ganzen Tag ob ich denn meine Chefin anrufe und ihr sage, dass ich mir mit schlechtem Fisch den Magen verdorben habe. Das wäre für Bangkok eine durchaus realistische Ausrede… mal gucken.
So, wie immer, hoffe ich, dass es euch gut geht.
Mir gehts super soweit.
Tom