So, endlich wieder Internet und das laenger als fuenf Minuten. Zeit fuer ein paar Neuigkeiten: Der FC Bayern spielt beschissen und der Magath grinst sich eins. Der Brawn auch und der Hamilton nicht. Und “Abwrackpraemie“ ist das neue „suboptimal“.
Ja liebe Leserinnen und Leser, wir sind zurueck aus der Wueste, genauer gesagt in Melbourne. Der Eintrag heute wird wohl etwas laenger, somit sollten alle (mich eingeschlossen) Internet- und Playstationsuechtigen mit Konzentrationsproblemen an dieser Stelle das Lesen einstellen und sich die Fotos oben anschauen.
Fuer alle anderen folgt nun die Zusammenfassung der letzten Wochen:
1. Die Rinderfarm
- „Nice Farm!“ – „This is not a farm, this is a fucking cattle STATION! We’re runnin’ a stock of a bloody 6500 cattle here, mate! We’re talkin’ bloody 4657 square kilometres, mate, alright?“
- Ok, wir waren also 12 Tage auf einer Rinder STATION in Northern Territory in der Arschritze der Welt. Wie schon beschrieben, 80 Kilometer Sandbuckelpiste bis zum Farmhaus, 350 bis zur naechsten Ortschaft. Welcome to Marlboro Country. Nunja, das trifft nicht ganz zu. Denn in Marlboro Country ist die Landschaft abwechslungsreicher. Aber geraucht wird auf der STATION mindestens genau so viel. Und alle tragen Cowboy-Huete, ausser mir. Und anstatt Pferde faehrt man Quads oder Toyota Landcruisers. Der Boden besteht zu 80 Prozent aus rotem Sand, der Rest aus trockenem Lehm. Trotzdem waechst hier ein wenig Gras und Gebuesch, genug um hier Rinder zu halten.
- Leire und ich kamen zur wichtigsten Zeit des Jahres fuer die Betreiber der Farm (einer jungen Familie bestehend aus Eltern (28 und 30) und zwei Toechtern (1,5 und 3)), dem sogenannten“ Mustering“. Das gesamte Areal der STATION ist in gerade mal 6 Teile unterteilt, auf denen jeweils so um die 1000 Rinder frei herumlaufen und sich vermehren. Diese gilt es einmal im Jahr zusammenzutreiben um sie zu sondieren, zu sortieren, Teile zu verkaufen oder einfach nur die Cojones (Rinderhoden) abzuschneiden. Denn zuviel Rindersex scheint schlecht fuers Geschaeft zu sein.
- Ok, wie treibt man nun 1000 Rinder auf einer Flaeche so gross wie der halbe Landkreis Regensburg zusammen? Also man benotetigt zunaechst drei Cowboys, ein Cowgirl, einen Piloten, einen bayerischen Touristen, 3 Quads, zwei alte Toyota Landcruiser, ein kleines Flugzeug und Funkgeraete. Der Pilot steigt ins Flugzeug, der Rest steigt auf oder in die Fahrzeuge und faehrt langsam los.
- Ja so war das. 6 Uhr morgens mitten in der Wueste: „Thomas, du faehrst den Landcruiser hier, wenn du Rinder siehst, treib sie zusammen. Mach einfach was wir machen. Schon ja nicht das Auto, das ist keine Sonntagsfahrt, das ist Mustering.“ Und los gings. Ich fuhr am Ende der Kolonne, ganz langsam und ruhig zunaechst. Ploetzlich der Funkspruch aus der Luft vom Piloten: „Rinder, 2 Kilometer suedlich von euch!“ Und vorbei wars mit der Ruhe. Ploetzlich gab jeder Vollgas und wir hackten Richtung Rinder suedwaerts. Ueber Stock und Stein, dass es nur so krachte. Ich hab mir mehrmals den Kopf am Wagendach angeschlagen waehrend der Fahrt. Das war ein Mordsspass. Ich hatte diesen Morgen nur Grinsen im Gesicht! Andere Leute wuerden viel Geld bezahlen um das mal machen zu duerfen. Gelaendefahren ohne auf das Auto achten zu muessen und dann noch damit Rinder jagen…
- 3 Tage spaeter hatten wir die Rinder dann zusammen. Ab da gings dann daran diese zu sortieren. Das war weitaus gefaehrlicher weil man lediglich davonlaufen konnte wenn ein Bulle mal schlechte Laune hatte. Mit dem Auto habe ich die einfach angeschubst und dann war meist klar wer der Staerkere ist. Aber zu Fuss laeuft das anders: Da heissts dann Beine in die Hand nehmen und ab ueber den Zaun!
- Zusammenfassung: Die bisher schoensten Tage in Australien (Leire sieht das anders. Die Arme musste sich naemlich um die nervigen Kinder der Familie kuemmern und das Mittagessen kochen…). Und sollte ich mal Kinder haben und die mich fragen was ich denn so gemacht habe in Australien, dann werde ich ihnen wahrscheinlich nur von der STATION erzaehlen. Von Bullen, gross wie Haueser, die mir Aug in Aug gegenueberstanden, von harten Maennern die harte Maennerarbeit erledigten und von Sonnenuntergaengen, denen ich mit meinem alten Landcruiser entgegenfuhr…
2. Aktuelles
Seit gestern sind wir nun in Melbourne bei Verwandten von Leire. Teresa und Elisabeth, Mutter (65) und Tochter (40). Wir werden hier geradezu erdrueckt von Gastfreundschaft. Die Familia ist halt nunmal das Wichtigste. Die beiden leben seit mehr als 30 Jahren in Australien und wir sind die ersten „Verwandten“, die sie hier besuchen. Dementsprechend gross ist die Freude. Gestern waren wir alle zusammen in einem Freiluftzoo ausserhalb der Stadt. Und dort habe ich dann endlich einen Wombat gesehen und musste wieder lachen. Wie bei den Kaenguruhs oder diesen Igeltieren (mir faellt der Name gerade nicht ein). Australien hat die lustigsten Tiere der Welt.
3. Abschluss
Puh, das wars. Wer mir bis hier gefolgt und nicht eingeschlafen ist darf sich auf einer Liste eintragen und bekommt einen Buchpreis. Alle anderen erhalten in den naechsten Tagen einen Quellekatalog per Post.
Schliessen moechte ich diesen Eintrag mit einem Zitat von Nathan, einem 19-jaehrigen Cowboy-Lehrjungen und Vorzeigehillbilly mit dem ich in den letzten Tagen zusammenarbeiten durfte (Foto Galerie oben rechts):
„Burnouts and Fights, that is all I love.“
Es folgen die Fotos.
Hoffe euch gehts gut.
Tom
RIP Bulldog-O..